LostFocus

A weblog by Dominik Schwind

I have nothing to say, really.

Fuck off.

Guten Morgen

Coole Idee: Blogkommentarmanagement via IMAP

Credibility over Time

When the new stuff doesn’t work, do the new stuff more and better.Spam! Promote! Advertise! Enough with this zen nonsense, I want to be in charge.

Lessig bei Colbert – natürlich auch als Remix. [via]

The RemnantsPilot einer Zombie-Web-Serie mit Ze Frank [auch via]

Anderer Leute Content

Eigentlich können wir ja ganz ehrlich sein: Das Internet ist schon fast zu voll mit irgendwelchem Gedönscontent. Long Tail galore.
Und um noch ein zweites Mal ehrlich zu sein: Die meisten von uns können nichts. Oder zumindest nicht genug, um für irgendwen etwas wirklich neues zu liefern. Klar, wir können unsere Meinung zu allem und jeden geben, haben vielleicht die eine oder andere Idee oder machen vielleicht mal ein interessantes Video, Photo oder spielen ein nettes Musikstück ein. Aber im Großen und Ganzen – eher nicht. Oder selten. Es ist kein Wunder, daß es in fast allen Bereichen so viele One-Hit-Wonder oder – ein Begriff, der mir persönlich besser gefällt – One-Trick-Ponies gibt. Das hat auch ganz selten etwas mit Talent und/oder Begeisterung zu tun. Vielleicht mit Glück, wenn man daran glaubt. Seltener wohl mit Kismet. Ganz selten mit Karma. Die meisten Leute erreichen vielleicht ein- oder zweimal im Leben einen Punkt, an dem sie etwas wirklich grandioses leisten. Etwas, das es wert ist, in die Welt hinausgetragen zu werden. Irgendeinen großen Wurf, das Lied oder den Film.

Interludium: Artur Rubinstein spielt eine Sonate von Beethoven

Zurück zum Artikel: Klinge ich jetzt wie ein Elitist? Ich hoffe nicht. Ich behaupte nur: Viele Menschen produzieren viel Schrott.1 Nur Gedöns. Unnötigen Plunder, häßliches, langweiliges, unspannendes, zum Gähnen führendes komplettes Meh. Ist das jetzt schlecht? Nein. Im Gegenteil, das ist super. Ich finde es grandios, daß es so viel Schrott gibt. So viel unnötiges. Denn in meiner Überlegung – und ich behaupte nicht, daß sie für jeden so stimmen kann – ist zwar die Prozentzahl guter Dinge umgekehrt Proportional zur Gesamtzahl aller Dinge, die absolute Anzahl steigt aber und das ist wertvoll und in meinen Augen das grandioseste, was passieren kann. Und, um die Sache noch viel besser zu machen und um Trendforscher komplett in den Wahnsinn zu treiben, ist das ganze auch noch komplett subjektiv. Wo der eine ein AK-47 im Hello Kitty-Design für totalen Schrott hält, freuen sich andere wie kleine Kinder darüber. Long tail. Filter, etc.

Und weil nicht jeder sich berufen fühlt, originären und tollen Content zu erstellen und damit oftmals Recht hat, weil er es nicht kann oder will oder darf, haben sich in letzter Zeit Werkzeuge etabliert, mit denen man ein kleiner Ein-Mann-Aggregator sein kann. Die Shared Pages vom Google Reader. Tumblr. Soup.
Fan-tas-tisch. Ich bin begeistert, was so manch einer im Google Reader als “Shared” markiert. Ich finde die Soup von Johl obwohl oder gerade weil dort nichts Eigenes zu finden ist, sondern die skurrile Welt des Internets durch einen menschlichen Filter gegangen ist, der Dinge findet und zusammenpackt, die für meine Interessen relevant sind. Durch genau diesen Mechanismus funktioniert ja auch der Schockwellenreiter. Oder Waxy.org: Links. Und jedes andere mit Liebe gemachte Linkblog. Kaum bis gar kein eigener Content, den Fremdcontent aber durch eine persönliche Note ausgewählt und gefiltert – das kann schon sehr viel wert sein. Und das kann man auch nicht technisch umsetzen, egal wie gut Tools wie Rivva oder Techmeme jemals werden.

Und das, meine lieben Leser, kommt dabei heraus, wenn ich eigentlich nur kurz etwas über die “Repost”-Funktion von Tumblr und Soup schreiben wollte, während ich auf Wendy warte.

  1. Beispiel: Dieser Artikel []

Regular people

oder auch: Tact Filter weitergedacht.

In den diversen Blogposts zu Open Social1 gab es einen relativ interessanten Eintrag von Anil Dash im Six Apart-Blog:

But more importantly, OpenSocial has the promise of letting regular people choose which social networks they want to run those applications on.

Soll heißen: durch diese Technik wird es normalen Menschen2 erlaubt, Dinge zu tun, die bislang primär Menschen mit IT-Wissen vorbehalten waren – nämlich eine rudimentäre Kontrolle und eine Einsicht darüber zu haben, was mit den Daten und Anwendungen passiert, die sie innerhalb eines Social Networks nutzen.

Brian Oberkirch passt die Bezeichnung regular people nicht:

But the creation of a phantom category called ‘regular people’ is inaccurate at best and, more likely, condescending. It smacks of GOP phrase testing, pitting technical elites against the red-blooded Americans, who, by God, just get up and try to do an honest day’s work every day as they listen to Toby Keith in their Ford pickups on the way to grab a sack of hamburgers to feed the young uns.

Regular people aren’t.

Zurecht weist es darauf hin, daß es normale Menschen in dieser Form eigentlich nicht gibt. Jeder Mensch hat mindestens einen Aspekt in seinem Leben, bei dem er vom Durchschnitt abweicht, an dem er auf der Long Tail3-Kurve nicht irgendwo im Mainstream sondern entlang der Kurve irgendwo im Speziellen und Obskuren zu finden sind.4

Interessant wird der Begriff regular people aber dann, wenn man ihn aus dem Context der IT löst und feststellt, daß fast jeder sich und seine Subkultur diesen normalen Menschen gegenüberstellt. Da haben wir nun also auf der einen Seite die IT-Menschen – Entwickler, early adopters und andere Geeks – und auf der anderen Seite die regular people, die “einfach nur Mails schreiben und ein bißche surfen” wollen.
Das gleiche Muster gibt es aber auch anderswo: für Heavy Metal-Fans sind es die Leute, die Popmusik hören. Für Freelancer die Leute mit Festanstellung. Jede Sub- oder auch Nischenkultur, egal wie groß oder klein, wird immer einer Mehrheit entgegen stehen, die in der Masse auf diesen Aspekt gesehen uniform zu sein scheinen und dadurch zu regular people werden.

Um jetzt den Bogen zum Tact Filter5zu spannen – ähnlich wie bei ihm ist die Abwesenheit eines Filters für ausgehende Nachrichten ein ziemlich klarer Indikator für massives Nerdtum. Jargonausdrücke und Insiderwitzchen sind schön und gut, wenn man sie innerhalb der eigenen Nische nutzt, man sollte aber schon merken, wann man es mit Menschen zu tun hat, die das Wissen über und das Interesse an diesem Fachbereich nicht teilen und die Sprache dementsprechend anpassen. Dieser “Regular People-Filter” macht das Zusammenleben in einer Gesellschaft, die sich immer mehr aus Parallelkulturen zusammensetzt, einfacher und vor allem auch für jeden angenehmer.

Ich möchte damit jetzt nicht für eine allgemeine Verdummung eintreten und jedem empfehlen, nur noch so zu kommunizieren, daß es möglichst mainstreamig ist – im Gegenteil. Ich sehe es eher so wie auch Chris Anderson:

Rather than the scary fragmentation of our society into a nation of disconnected people doing their own thing, I think we’re reforming into thousands of cultural tribes, connected less by geographic proximity and workplace chatter than by shared interests.

Diese cultural tribes mit ihrem Jargon, dem spezialisierten Wissen und Gepflogenheiten sind ein Teil der Vergeekung6 der Gesellschaft, der ich nur zustimmen kann. Das Suhlen in Insidergesprächen und -witzen innerhalb dieser Stämme stärkt die Zusammengehörigkeitsstrukturen und damit auch die Mitglieder, den Schritt von der Vergeekung zur Vernerdung7 kann aber dadurch verhindert werden, daß man lernt, “regular people” außerhalb der eigenen Nische zu erkennen und die Sprache und Manirismen im Umgang mit ihnen anzupassen. Letztendlich sollte es gesunder Menschenverstand sein, als Entwickler einen Mediziner nur bei Interesse und in weniger technischen Worten die Vorteile von REST-APIs zu erklären8 – schließlich kann man umgekehrt Bettnässerwitze auch besser verstehen, wenn nicht ständig von Enuresis nocturna die Rede ist.

  1. Open Social ist übrigens eine Erweiterung der Google Gadget API und als solches erstmal weder besonders offen noch besonders sozial. []
  2. Mir gefällt das Wort normal hier auch nicht als Übersetzung von regular. Aber etwas besseres ist mir einfach nicht eingefallen. []
  3. Es ist übrigens ganz lustig, kaum einer der klugen Menschen, die über den Long Tail und dessen Effekt auf ihre tollen Webdienste reden, scheint das Buch gelesen oder gar verstanden zu haben. Gruß nach Berlin aufs Barcamp an dieser Stelle. []
  4. Oder beides. Es gibt Leute, die lesen Spreeblick und es gibt Leute, die lesen Lostfocus. Außerdem gibt es Leute, die lesen beides. Es ist jetzt der Phantasie des Lesers überlassen, wer davon jetzt normal ist und wer nicht. []
  5. Die Tact Filter-Theorie sagt im Grunde genommen: Nerds filtern Input auf verletztende Dinge, filtern den Output aber kaum, normale Menschen machen dies umgekehrt. []
  6. Ganz fiese Wortschöpfung. Ich weiß. []
  7. Ich höre gleich auf, versprochen. []
  8. Ja, das geht. []